Junge Hotelmarken bieten Notwendiges mit Stil zu moderaten Preisen - eine Entwicklung ähnlich wie im Low Cost Carrier-Segment.
Ibis, Etap, Formule 1 - bis vor wenigen Jahren prägten diese Marken das relativ junge Segment der Budget-Hotels, in Europa seit 1974 existent. Neben den Accor-Marken waren noch die Häuser der ebenfalls französischen Louvre Hotels (Campanile, Premier Classe) auf dem Markt. Ihr Angebot: standardisierte und konventionell eingerichtete Zimmer in architektonisch einfachen Gebäuden, die zumeist in der Nähe von Autobahnen oder Bundesstraßen, in jedem Fall jedoch abseits der Zentren lagen. In Deutschland konnten sich diese Hotels nicht so stark wie in Frankreich durchsetzen. Dies spiegelt vor allem Formule 1 wider: Gerade neun Hotels gibt es in Deutschland im Gegensatz zu über 280 Hotels in Frankreich. Die Ein-Sterne-Marke zeichnet sich durch Etagenbett- und Doppelbettzimmer mit einem Bad pro vier Einheiten aus. Hingegen sind die Markenschwestern Etap und Ibis in Deutschland mit “en-suite-Bädern” ausgestattet und bringen es in Deutschland auf jeweils 68 bzw. 80 Hotels. Neben Accor haben auch die B&B Hotels, die eine kommerzielle Allianz zu Golden Tulip pflegen und derzeit über 14 Hotels verfügen, konkrete Expanionspläne. Die InterContinental Hotels Group feiert gerade den zehnten Geburtstag ihrer Marke Express by Holiday Inn und will in den nächsten Jahren um 35 neue Hotels wachsen. Bei einem Zimmerpreis von 63 Euro inklusive Frühstück liegen sie auf einem ähnlichen Niveau wie die Ibis.
Auch wenn das Segment der Budget- und Economy-Hotels in Deutschland bisher vorwiegend von privat geführten Hotels dominiert ist, so wird sich der Anteil der kettengebundenen Hotels zukünftig stark erhöhen, da neben den Expansionsabsichten der etablierten Gesellschaften europaweit auch eine Vielzahl neuer Konzepte in den Markt drängen, die für kräftigen Wirbel sorgen werden.
Design zu kleinem Preis
Eines dieser neuen Konzepte sind Budget-Design-Hotels, die sich bei moderaten Preisen durch modern designte Zimmer auf kleinstem Raum, in zentraler Lage und einem reduzierten F&B-Angebot auszeichnen. Gäste erhalten nun einen Lifestyle-Mehrwert, den es bisher in dieser Kategorie nicht gab. Hierbei achten die Hotels vor allem darauf, ein Gleichgewicht zwischen den wesentlichen Elementen für den Gast und den Kosten erzeugenden, eher unwichtigen Leistungen, herzustellen. Das Ergebnis: Es entstehen junge Marken, die Lifestyle-Qualitäten bieten, mit denen sich Kunden identifizieren, die bisher das Budgetsegment nicht gebucht haben.
Motel One, Easyhotel, Yotel & Co.
In Deutschland haben sich 15 Motel One Hotels mit diesem Ansatz im Budget Segment positioniert und werden nach der Beteiligung durch Morgan Stanley auch europaweit expandieren. Die Zwei-Sterne-Marke bietet Ihren Kunden hochwertig gestaltete Zimmer auf 13 Quadratmetern sowie Bar und Coffee Shop im Hotel und kommt mit insgesamt 22 bis 24 Quadratmetern BGF pro Zimmer aus.
Noch agressivere Konzepte wurden für den Boommarkt London entwickelt und sollen jetzt Europa erobern. Bei Easyhotel können die Gäste die orange-weißen sechs bis 13 Quadratmeter großen Zimmer wahlweise mit oder ohne Fenster buchen. 2009 wird das erste deutsche Easyhotel am Hackeschen Markt in Berlin entstehen - mit Preisen ab 35 Euro exklusive Zimmerreinigung, die während des Aufenthalts zusätzlich berechnet wird.
Ein ähnliches Konzept setzt Yotel am Flughafen London-Gatwick um. Die Zimmer (sieben bis zehn Quadratmeter) erinnern an Schiffskabinen mit hochmodernem Interior-Design. Gäste können die Hotels auch stundenweise buchen und erhalten Ihre Zimmerkarten am Self- Check-In-Kiosk.
Auch in den Niederlanden entstehen neue Low Cost Design Brands, die mit W-LAN und anderen High-Tech-Elementen besonders Geschäftsreisende ansprechen sollen. Qbic Hotels stehen für ausgefallene und futuristische Zimmer, in denen die Zimmerfarbe durch Licht vom Kunden verändert werden kann. Auch die Hotelkette “One Star is Born”, welche bis Ende 2007 ihre ersten zwei Hotels in Holland eröffnen wird, konzentriert sich auf kleine, designte Zimmer mit Luxusbad und auf 1a-Lagen. Die Zimmerpreise sind dabei durchaus mit denen von Drei- bis Vier-Sterne-Hotels vergleichbar.
Hostels - nicht nur für die Jugend
Neben den Budget-Design Hotels drängen jetzt auch die Hostels auf den Markt. Bisher existierten Hostels weitgehend unbeachtet von der Hotellerie und wurden mit Jugendherbergen oder bestenfalls mit YMCA assoziiert. Doch auch hier haben sich in den vergangenen Jahren Betreiber und Betriebskonzepte etabliert, die zunehmend eine Herausforderung für die Hotellerie werden. Marktführer in Deutschland sind die A&O Hostels & Hotels mit derzeit über 3750 Betten. Auch die Hostelbetreiber bevorzugen zentrale Lagen in touristisch interessanten Metropolen - in Deutschland im wesentlichen Berlin und München. Konsequent nähert sich die Meininger City Hostels & Hotels an die Hotellerie an - ihre Maxime: “Hotelqualität zu Hostelpreisen”. Die einfachen, aber freundlich eingerichteten Zimmer können je nach Größe für je ein bis zwölf Personen gebucht werden. Im Fokus stehen Gäste, die bisher niedrigpreisige Hotels gebucht haben.
Es kommt zu einer Durchmischung von jungen, eher freizeit-orientierten Zielgruppen und preisbewussten Geschäftsreisenden - eine Entwicklung, wie wir Sie bereits bei den Low Cost Airlines erlebt haben. Insgesamt wird es zu einer sehr viel stärkeren Konkurrenz um die Klientel innerhalb des Niedrigpreissegments zwischen einer Vielzahl von Anbietern kommen, die auch die klassische gehobene Hotellerie nicht unbeeindruckt lassen dürfte.
Quelle: www.tophotel.de